Konkurrenz für FRS


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Vielleicht interessiert dieser Artikel aus der Stuttgarter Zeitung den einen oder anderen Studenten, der "nebenbei" beim Radio arbeitet:

Dem Freien Radio für Stuttgart droht Konkurrenz

Hochschule für Medien will auf die Frequenz des Senders - Müssen Ausländerredaktionen weichen?

Von Jan Ulrich Welke

Dienstagmorgens ist die alevitische Redaktion dran, dienstagnachmittags Radio Brasil, samstagmorgens die Italiener, sonntagmorgens die Kollegen aus Ghana, und sonntagmittags geht die eritreische Redaktion auf Sendung. Am Donnerstag gibt es das "Frauen-Lesben-Radio" und am Sonntag den "Schwulfunk". Und Sendungen wie "Jazz funkt", "Harakiri" (einmal im Monat mit dem legendären John Peel) oder "Phat Vibes" bedienen jeden nur denkbaren Musikgeschmack. Keine Frage: in der Stuttgarter Radiolandschaft gibt es keinen Sender mit einer vergleichbaren kulturellen Vielfalt und keinen Anbieter, der ein vergleichsweise anspruchsvolles musikalisches Programm gestalten würde wie das Freie Radio für Stuttgart (FRS). Sieben Tage die Woche, vom frühen Morgen bis in den späten Abend, und das Ganze auch noch frei von nervender Werbung.

Doch damit könnte bald Schluss sein - zumindest, wenn es nach dem Geschmack der Hochschule der Medien (HdM) geht. Die HdM hat sich nämlich für die Frequenz, auf der das FRS sendet (Antenne 99,2 MHz, Kabel 102,1 MHz), beworben. Diese Frequenz ist von der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) neu ausgeschrieben worden und wird im Oktober neu vergeben. Das FRS, das bisher die Lizenz hatte, auf dieser Frequenz sieben Tage die Woche 24 Stunden lang zu senden, möchte diese Lizenz für die kommenden acht Jahre erneut bekommen, sieht sich nun aber plötzlich mit einem harten Wettbewerber konfrontiert.

Einem Mitbewerber, der ganz andere Interessen verfolgt. Was die HdM auf der Frequenz vorhat, "wird mit Sicherheit kein Bürgerradio sein", sagt die Pressesprecherin der HdM, Kerstin Lauer. Fast ausnahmslos Studenten sollen das Programm bestreiten dürfen, und dies, obwohl die HdM bereits ein von Studenten gemachtes Internetradio betreibt.

Die HdM wollte ebenfalls eine Sieben-Tage-24-Stunden-Lizenz, musste ihre Unterlagen jedoch bereits modifizieren. Von Seiten der LfK wurde ihr bedeutet, dass sie mit dem Versuch, das Freie Radio ganz von seinem Sendeplatz zu verdrängen, keine Chance hätte. Die Stuttgarter Hochschule der Medien bewirbt sich nun mit einem geänderten Antrag nur noch für Sendeplätze in den Vormittagsstunden. Montags bis freitags von sechs bis elf Uhr will die Hochschule jetzt senden, "und am Wochenende suchen wir nach einer Kompromisslösung", sagt Professor Wolfgang von Keitz, der an der HdM für das Radioprojekt zuständig ist. "Ich bedaure, dass es zu einer Kollision mit dem Freien Radio kommt", sagt er zwar, hat aber kein Verständnis "für die Kompromisslosigkeit, mit der das Freie Radio auftritt".

Ebenfalls nicht nachvollziehen kann er den Vorwurf des Freien Radios, die HdM würde sich mit einem Lernradio auf diese Frequenz bewerben, die von der LfK bewusst nicht als so genanntes "Programm zur Förderung von Medienkompetenz und der Aus- und Fortbildung im Medienbereich" ausgeschrieben ist, sondern als "nicht kommerzieller Lokalfunk". "Wir wollen kein Lernradio machen", sagt Wolfgang von Keitz, "die Studenten sollen Radio machen, nicht lernen", und sie müssten "dies bereits können".

Weichen von ihren angestammten Plätzen müssten beim Freien Radio unter der Woche jedenfalls die Rockmusiksendung "Daybreak", das Ska- und Rocksteadyprogramm "File under Ska", die türkische Redaktion von "Chai", die alevitische Redaktion sowie das Magazin "Atonale Strategien". Über diverse Sendungen am Wochenende will die HdM diskutieren.

Wie auch immer sich also Vorstand und Medienrat der LfK im Oktober entscheiden mögen - es dürfte für Streit sorgen.

Internet: http://www.freies-radio.de, http://www.hdm-stuttgart.de, http://www.lfk.de
 
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