DAB+: Der zweite Bundesmux


Wanderdüne

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Es dürfte langsam interessant werden, sodass man hier jetzt tatsächlich ernsthaft diskutieren kann. Unabhängig davon, ob der 2. Bundesmux (wirtschaftlich) erfolgreich wird, dürfte er die Radiolandschaft nachhaltig verändern. Die Konstruktion mutet schon ein wenig skurril an. Antenne Deutschland als Plattformbetreiber, der es aber irgendwie nicht gebacken bekommt und die "Subvermarktung" einer gewissen "National German Radio" anträgt, die zufälligerweise eine Nähe zum ehemaligen Kontrahenten der Antenne Deutschland hat. Nennen wir die Akteure der NGR mal "Leipziger Gruppe" (Linnenbach/Bugovics/Göpel/Zimmermann). Zu diesem Dunstkreis gehören dann die Unternehmungen NGR, Divicon und Wolffberg. Aber gut, ein anderes Thema.

Erstens wird spannend sein, ob es neben Antenne Deutschland Programmen, die eigentlich nur von Oschmann kommen (Absolut) tatsächlich noch Drittprogramme geben wird (bigFM, Rockantenne u.a.) oder ob die übrigen Plätze, die von NGR vermarktet bzw. "strukturiert" werden sollen, selbst mit Programmen bestückt werden müssen oder sollen. Wer die Stellenausschreibungen gelesen hat, die über eine der NGR nahestehenden PR-Agentur abgewickelt wurde, lässt die Vermutung aufkommen, das NGR auch selbst Programme bzw. Programmbestandteile erstellen könnte. Den 2. Bundesmux mit Drittprogrammen bestehender Deutscher Anbieter zu füllen halte ich für unwahrscheinlich. Hiergegen sprechen die angespannte Lage durch Corona und die hohen Investitionen für die bundesweite Verbreitung, insbesondere die lange Vertragsbindung. Je weniger Erlöse durch "Untervermietung" der Kapazitäten aber generiert werden, desto höher die Kosten und das Risiko der Akteure von Antenne Deutschland. Dies wird spannend, denn auch bei Telefonbuchverlegern und Freenet sollen die Goldesel nicht unbegrenzt im Stall stehen. Vielleicht wagen aber auch ausländische Unternehmen den Marktzutritt in Deutschland. Das würde dann noch einmal richtig spannend werden...

Zweitens stellt sich die Frage, welche Qualität die Produkte haben werden. Die Märkte in Deutschland sind regional geprägt, die Wettbewerbssituationen sehr unterschiedlich. Die reichweitenstarken Formate in allen Bundesländern bereits besetzt mit einem lokalen oder regionalen USP. Dort Reichweite zu generieren, wird schwierig.

Drittens ist es eine Frage des Marketings. Antenne Deutschland traue ich nur begrenzt zu, dass sie die Mittel für eine Marktetablierung aufbringen können, die für ein Branding der Marke "Absolut" erforderlich wären. Dies ist bislang nicht gelungen, warum sollte sich das ändern, zumal der Aufwand auf Grund des viel größeren Verbreitungsgebietes ungemein höher ist. Zudem ist die Endgeräteverbreitung für großangelegtes Marketing noch zu gering. Das wird sehr, sehr teuer... Stichwort Goldesel.

Viertens ist regionale Werbung im 2. Bundesmux nicht zulässig. Damit dürfte die Refinanzierung erschwert werden. Am Ende muss ich mich auf nationale Vermarktung konzentrieren. DAB+ ist aber nicht digital, sondern nur der Verbreitungsweg. Es ist also klassisches Radio mit der klassischen UKW-Vermarktungslogik. Diese ist aber rückläufig. Hierfür gibt es zudem gelernte Wege (also über RMS und ASS). Neben fehlender MA-Ausweisung für die ersten 1-2 Jahre ist die Vermarktung etwas, sagen wir einmal, anspruchsvoll mit überschaubaren Ergebnissen. Dies gestaltet sich für eingeführte Marken wie z.B. Rockantenne anders, das sie bereits in der MA ausgewiesen sind und zusätzliche Reichweite auf die vorhandene aufgeschlagen werden muss. Für Rockantenne wäre es also eine Wette, ob die zusätzlichen Erlöse die zusätzlichen Verbreitungskosten decken. Für neue Marken, tja, wird es ein steiniger Weg. Für die ganze Gattung heißt es aber in Bezug auf nationale Erlöse. Diese werden nicht mehr, sondern es sitzen mehr am Tisch, die Stücke vom großen Kuchen abhaben wollen. Für die neuen bundesweiten Programme schwierig, da sie keine regionale Werbung generieren dürfen. Landesweite Sender generieren bis zu 50-60%, Großstadtsender bis zu 70-80% in ihren regionalen Märkten. Auf diese Erlöse zu verzichten, ist schon sehr ambitioniert.

Fünftens hat eigentlich keiner mehr im Jahr 2020 auf zusätzliche klassische, linear verbreitete Radioprogramme gewartet, die keinen regionalen USP haben oder sich von Webchannel abgrenzen. Anders formuliert: Man muss schon das große Besteck herausholen (nationales Markenbranding, nationale Personality mit A-Promis, richtige nationale Radioshows etc.). Dies könnte eigentlich nur RTL, die über dieses Besteck verfügen (damit meine ich nicht die Radioklitsche in Berlin, sondern die Zentrale in Köln...). RTL hätte neben der gebrandeten Marke auch die entsprechenden Marketingtools inkl. Promis und Content, eine nationale RTL Marke als Audioformat auszurollen. Bei Absolut hätte ich da so meine Zweifel. Hier ist vielleicht der Wunsch der Vater des Gedanken, aber am Ende glaube ich eher, dass es eine Gewollt-aber-nicht-gekonnt-Nummer wird.

Im Ergebnis glaube ich dennoch, dass spannende Zeiten auf uns zukommen. Spannend ist, dass Nicht-Radiomanager (siehe Antenne Deutschland) im Markt mitmischen und die Personalinzucht der Branche nicht fortgeführt wird. Dennoch wird es schwierig werden, dass man neue Marken etabliert und relevante Erlöse generiert.

Am Ende will ich nicht ausschließen, dass sich die Entwicklung des britischen Radiomarktes wiederholt. Mit Einführung von DAB kurz nach der Jahrtausendwende sanken die Reichweiten der Platzhirschen. Damit sanken auch die Erlöse. Interessanterweise konnten die neuen Programme, die fragmentiert sehr geringe Reichweiten aufwiesen, die wegbrechenden Umsätze der UKW-Sender nicht kompensieren. Die Einführung von DAB schadete damals der gesamten Radiobranche, da die Spendings von ursprünglich 8% an den Gesamtspendings im Werbemarkt binnen weniger Jahre auf 4% absanken. Hierauf setzte eine massive Konzentrationswelle über 10 Jahre ein. Heute gibt es eigentlich nur noch Global, mit Abstand Bauer und mit großem Abstand Virgin. Auch die Profitabilität ist lange Zeit rückläufig, z.T. defizitär gewesen, mittlerweile aber erholt. Böse formuliert könnte man sagen, dass sowohl Global (Ashley Daniel Tabor) und Virgin (Richard Branson) Hobbies ihrer Eigentümer sind. Insofern dürfte auch in Deutschland durch die Einführung des 2. Mux die Reichweiten und damit die Erlöse der Platzhirschen rückläufig sein, was aber national nicht durch die fragmentierten Reichweiten der vielen neuen Programme aufgefangen werden dürfte. Zu unterschiedlich, zu spitz die Programme und Zielgruppen der Einzelprogramme. Eine Kombi hieraus wenig sinnvoll (wird man aber versuchen). Da ist das Netz effizienter. Damit könnte sich die britische Entwicklung in GB wiederholen, nur deutlich schneller. Denn wir sind in der Entwicklung 20 Jahre weiter.

Verhinderungs- oder Beharrungsvermögen wird es nicht (mehr) geben, da neue Marktteilnehmer wie die Leipziger Gruppe oder Media Broadcast, die keinen Vertrag mehr mit der alten UKW-Welt haben, nichts zu verlieren haben und im Prinzip, wie bei einer Wette, gewinnen können.

So, und jetzt bin ich auf andere Einschätzungen gespannt. Möglicherweise liege ich ja auch daneben. Bin gespannt!
 

Radiocat

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Ehrlich gesagt traue ich es Absolut eher zu als RTL. RTL hat doch in den letzten Jahren publizistisch nichts mehr geleistet. Die Radioprogramme senden vor sich hin, die TV-Programme auch mit schwindender Zuschauergunst und ständigem Imageverlust. Ich denke, wir erleben eine weitere Konzentrierung im Radiomarkt und den Übergang zu bundesweiten Marken. Den habe ich schon vor 20 Jahren prophezeit. Es hat etwas länger gedauert, was der recht unseligen Zerstückelung (man nennt es auch Föderalismus) der Märkte geschuldet ist und den anachronistischen Landesmedienanstalten, die sich immer noch als ultimativer Gatekeeper sehen. Es ist aber unübersehbar. Neben Klassik Radio hat es Radio Bob mittlerweile geschafft. Energy leidlich. Rockantenne und Big FM sind dabei. RTL hat sich nicht mal bemüht und Jam FM hat sich nach Berlin zurückgezogen. Schwarzwaldradio und Schlagerparadies haben sich in der Nische eingerichtet. In dieser ist durchaus noch Platz. Ego FM bespielt sie sehr schön in den beiden Südstaaten.
Für die Regionalsender wird es schwieriger bei rückläufigen Werbeeinnahmen. Die Königslösung wären bundesweite Networks mit regionalen Fenstern. Doch das wird ja politisch wieder erfolgreich verhindert. Erfolgreich ist in diesem unserem Lande in jedem Falle erst einmal die Verhinderung. :mad: Und da gab es schon manche, die sich damit sogar stolz gebrüstet haben. In NRW ist man bis heute darüber nicht hinweg gekommen. Weshalb sich das Land auch schon das inoffizielle Prädikat "Nordkoreawestfalen" erarbeitet hat.
 
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Wanderdüne

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"Zutrauen" heißt, dass ich Voraussetzungen mitbringen muss, um eine Markteinführung zu realisieren. Dies kann aus meiner Sicht eher RTL, weniger Oschmann.

1. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
Diese ist bei RTL gegeben. Gelinde gesagt zahlen die Kölner das aus der Portokasse. Sie könnten es für ihre TV-Programme sogar als Marketingkosten laufen lassen. Oschmann? Sorry, aber wirtschaftlich ist das eine Nummer zu groß für die.

2. Marke
Ich rede nicht über die publizistische Leistung, sondern über die Markenstärke. RTL ist eine eingeführte, bekannte Marke. Während Absolut bis heute keine Marktdurchdringung hat und eine Bekanntheit einen Marketingaufwand im dreistelligen Bereich über mehrere Jahre erfordert (und was ich Oschmann bei aller Wertschätzung nicht zutraue), verfügt RTL bereits über eine Marke. Und das Bekanntmachen von Submarken oder Ablegern und Cross-Promotion können sie.

3. Inhalte
Publizistische Inhalte? Dies ist von den Öffis im Audiobereich besetzt und durch Podcasts von Verlagen zunehmend mitbesetzt. Für die Privaten also wenig Raum. Regionale Inhalte können die bundesweiten Programme nicht liefern. Was also dann? Es bleibt nur Personality mit A-Promis, Boulevard, Entertainment als USP. Das mag einem nicht gefallen, liegt aber bei den Kölnern im Regal und bettelt förmlich um Zweit- und Drittverwertung.

Wer bundesweit erfolgreich sein will, der muss entsprechend viel Geld und einen sehr langen Atem mitbringen.

Ansonsten gebe ich dir recht in Bezug auf Konzentration. Ich habe aber meine Zweifel, dass es die bisherigen Platzhirschen sein werden. Wie gesagt, auch in GB sind die alten Player nahezu alle weg. Der Global Eigentümer hat irgendwann zugegriffen, Bauer-Verlag ist eigentlich durch einen Verlagszukauf an die Radioaktivitäten in England gekommen und Branson war seinerzeit ein Marktfremder. Die ursprünglichen Inhaber? Spricht man heute nicht mehr von.
 
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stereo

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Virgin Radio UK ist kein Investment von Branson, sondern gehört zur Wireless-Gruppe - soweit ich weiß. Die haben für Virgin Radio einen sehr bekannten Morgenmoderator angeworben und kürzlich (siehe in der Weltweit-Abteilung des Forums) einen seriösen Informationssender ins Leben gerufen. Das heißt, es wird dort bei DAB-Sendern in Inhalte investiert. Auch auf Talksport 2 und Talkradio läuft nicht nur Musik. Würde sich eine solche britische Entwicklung in Deutschland wiederholen, wäre das schonmal gar nicht schlecht. Dass auf UKW und Mittelwelle viele lokale/regionale Sendungen durch nationale ersetzt wurden, ist die Kehrseite der Medaille, wäre aber sicher auch ohne DAB passiert.

Gerade publizistische Inhalte - oder allgemein Wort - sehe ich weiterhin als große Marktlücke. In GB kommen die Wortformate von BBC, LBC und Wireless auf einen Marktanteil von über 20 %. In Deutschland schaffen die Infosender und DLF nicht einmal die Hälfte. In Frankreich kommen solche Sender dagegen auf etwa 40 %. Nachfrage gibt es sicher. Aber wer könnte die nötige journalistische Kompetenz zusammentrommeln!?

Gedeckt ist dagegen der Bedarf an Superhits. Für "die meiste Musik" oder "die größten Hits" wechselt niemand mehr den Sender. Da könnte Antenne Deutschland mit sehr prominenten Persönlichkeiten trumpfen. Radiogrößen von deutschlandweiter Bekanntheit gibt es allerdings kaum. Andere Musikformate bedienen dagegen schnell zu kleine Nischen oder werden echte Fans der Stilrichtung eh nicht erreichen.

Ja, es ist spannend, aber ist es nicht auch hoffnungslos? :D
 

Wanderdüne

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Virgin Radio UK ist kein Investment von Branson, sondern gehört zur Wireless-Gruppe - soweit ich weiß.

OK, gehört heute zu Murdochs Wireless, Lizenzgeber ist nach wie vor Bransons Virgin Group (die witzigerweise Virgin UK immer noch als eigenes Unternehmen listet).

Bei den publizistischen Formaten würde ich dir aus zwei Gründen widersprechen: Erstens sind (anspruchsvolle) publizistische Wortformate in Deutschland faktisch nicht bezahlbar und stellen keinen USP dar, da das Feld von den Öffis besetzt ist und die Images der Öffis unschlagbar gut sind. Hier etwas entgegen zu setzen würde einen hohen Marketingaufwand bedeuten. Mit publizistischen Formaten meine ich auch keine Talkformate. Für diese sehe ich in Deutschland ohnehin kaum Chancen, das erstens die Zeit vorbei ist und zweitens historisch sich der Hörermarkt völlig anders als in GB entwickelt hat. Es sprechen hier aus meiner Sicht ganz klar historische und Hörermarktentwicklungen gegen. Dies ist aber genau das Dilemma bei der Findung von Formaten für die bundesweite Verbreitung.

Insofern sehe ich die Entwicklung auch nicht als hoffnungslos an, eher als spannend.
 
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stereo

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Erstens sind (anspruchsvolle) publizistische Wortformate in Deutschland faktisch nicht bezahlbar und stellen keinen USP dar, da das Feld von den Öffis besetzt ist und die Images der Öffis unschlagbar gut sind.
Das Image spiegelt sich dann nicht in den Hörerzahlen wider. Die Einschaltquoten der Wort-Öffis sind sehr niedrig. Das Potenzial ist im Wortbereich also nicht ausgereizt.

Musik, Promis und Entertainment sind schon von Öffis und Privaten besetzt. Mehrfach. Also erst recht keine USP. Oder was hattest du da als Format gemeint?

Bei der Bezahlbarkeit stimme ich dir zu, zumindest über DAB. Ansonsten: In Frankreich, Großbritannien und Polen lassen sich publizistische Radioformate privatwirtschaftlich finanzieren - also vermutlich auch hier, bei geeignetem Verbreitungsweg. Das Problem betrifft dann aber alle Formate via DAB, vor allem die mit den A-Promis, die dir vorschweben.
 
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Wanderdüne

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Das Image spiegelt sich dann nicht in den Hörerzahlen wider. .

Korrekt. Wir reden auch zunächst einmal über Images, nicht über Reichweite. Wenn Du in einen Markt eintreten möchtest, dann schaust Du Dir das Marktumfeld an. Problematisch bei bundesweiten Programmen: Bedingt durch den Föderalismus gibt es keinen einheitlichen Markt, sondern in jedem Bundesland gestaltet sich der Markt bzw. das Wettbewerbsumfeld anders.

Erkennbar ist, das kenne ich aus vielen Märkten, dass die Images für Information/Weltnachrichten etc. bei den Öffis sehr gut sind. Das hat andere Gründe und nicht unbedingt mit dem zu tun, was die Öffis im Radio machen. Ihre Marken stehen für trimediales Handeln und ihre jahrzehntelange Seriösität. Wir reden auch nicht über meine Meinung, subjektive Wahrnehmung oder "Gefühl". Es ist MaFo. Dies hat zunächst auch nichts mit der Reichweite zu tun. Aber es spielt dann eine Rolle, wenn ich mir im Rahmen einer Positionierung mit MaFo Ergebnissen anschaue, wo und wie ich in den Markt eintrete. Die Betrachtung der Images ist zumindest der erste Versuch, um Lücken im Markt zu erkennen. Den Bereich Information/Weltnachrichten/publizistisch anspruchsvolle Inhalte würde ich demnach schon abhaken. Einerseits, weil kein privater Anbieter die Strukturen dafür hat, der Aufbau der Strukturen einfach zu teuer ist (z.B. Auslandskorrespondenten etc.). Es gibt Anbieter, die leisten sich nicht einmal dpa. Lohnt auch nicht, da sie kein Personal haben, die damit was anfangen könnten.

Die zweite Frage ist die des Potentials. Wie du richtig festgestellt hast, sind die Reichweiten von Deutschlandradio und den übrigen Wortprogrammen "überschaubar". Allerdings ist das relativ. Es hängt davon ab, wie hoch dieses Potential überhaupt ist und wieviel die derzeitigen Anbieter dies ausschöpfen. Am Ende würde ich aber warnen: Aufwand, ein verhältnismäßig geringes Potential und extem hohe Images sprechen dagegen, Wortprogramme aufzusetzen. Ein Beispiel (wohlwissend, dass diese immer hinken): Audi hat sich Anfang der 80iger das Ziel gesetzt, sich als Premiumanbieter zu positionieren. Dafür hat man fast zwei Jahrzehnte gebraucht. Im Ergebnis gut gemacht, möglicherweise gäbe es die Marke Audi heute auch so nicht mehr, allerdings mit einem gigantischen Aufwand. Und man musste qualitativ auch liefern. Dies ist in der Tat so gut gelungen, dass nicht einmal die Softwarebetrügereien Audio wirklich was anhaben konnten. Allenfalls das mittlerweile austauschbare und langweilige Design (ist aber ein anders Thema).

Wenn ich also am Ende wirklich Reichweite generieren möchte, dann muss ich an der Stelle von Antenne Deutschland und/oder NGR da ansetzen, wo es Sinn macht. Groß aufspielen. Mit echten A-Promis in der Morning Show, einem AC-Format als Schlachtschiff und diversen Beibooten und uniquen, nationalen Topthemen. Da bin ich wieder beim Ausgangspunkt: Das kann eigentlich nur RTL. Die haben den ganzen Boulevard-Schrott mit A-Promis. Das hat weder Oschmann noch NGR. Ansonsten fällt mir nicht viel ein, was man machen könnte. Dazu müsste man echt vorab eine MaFo aufsetzen und dann die Ergebnisse auslesen. In dem weitgehend regional geprägten Markt weiß ich aber nicht, ob die Ergebnisse da so auflösend sind. Allerdings befürchte ich, dass sowohl NGR als auch Antenne Deutschland eher Programme aus dem Bauer heraus mit Gefühl vorhaben...

Ja, und ich provoziere hier jetzt mal ein wenig. Ich versuche mal zu locken ;). Denn ich sehe durchaus Chancen, diesen verschlafenen Markt mit den ganzen Verwaltern in den Senderleitungen aufzuwecken. Bin gespannt!
 
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Spezi

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Ich habe meine Zweifel, wenn ich lese, das künftig 16 Programme aus dem zweiten Bundes-Mux vermarktet werden sollen. Schon wieder quetscht man viel zu viele Sender in einen Multiplex. Das wird dann ähnlich mittelmäßig klingen wie Schwarzwaldradio oder Schlagerparadies.

Wenn man wirklich einen klanglichen Mehrwert bieten wollte, sollte man nicht unter 128 kbps gehen. Oder sogar noch höher und das dann als High-Definition-Radio bewerben. Die Formate als solche dürften nicht so exklusiv sein, dass man, wie zu Radio Luxemburg-Zeiten, wegen des interessanten Inhalts auf guten Klang verzichtet.

Wahrscheinlich wird nur streamartiges Gedudel in zweifelhafter Audio-Qualität geboten. Dafür einen neuen Vermarkter zu gründen, finde ich schon ziemlich mutig.
 

iro

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Wenn man wirklich einen klanglichen Mehrwert bieten wollte
Will man aber nicht. Man will Geld verdienen mit der Masse der Hörer. Und denen ist der Klang relativ egal, wenn nicht sogar noch egaler.... Man kann ja froh sein, daß nicht auf englische Bitraten gesetzt wird.... Und der HiFi-Hörer soll damit wohl auch nicht erreicht werden, das Geld wird mit der Masse der Dudelhörer verdient.
 
Wenn man wirklich einen klanglichen Mehrwert bieten wollte, sollte man nicht unter 128 kbps gehen.
Man wird sich wahrscheinlich schon freuen können, wens mal mehr als 80 kbps sind.
Und der HiFi-Hörer soll damit wohl auch nicht erreicht werden, das Geld wird mit der Masse der Dudelhörer verdient.
Der HiFi-Hörer hat (leider) auf DAB+, sowieso nichts verloren. :(
 

CosmicKaizer

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Der Hifi-Hörer hat genügend andere Möglichkeiten. Der Hifi-Hörer war in den UKW-Randgebieten auch schon früher egal. Der Hifi-Hörer ist nicht das Maß der Dinge.
 

Spezi

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Ich würde mich jetzt nicht so sehr an dem Begriff "HiFi-Hörer" hochziehen. In den meisten Autos sind heutzutage relativ hochwertige Radios und Lautsprecher-Systeme verbaut. Sicherlich beschäftigt sich der gewöhnliche Kraftfahrer nicht mit Bitraten. Wenn aber ähnliche Formate in deutlich unterschiedlicher Audio-Qualität senden, kann ich mir schon vorstellen, dass der Klang zu einer entscheidenden Komponente wird. Den Unterschied zwischen YouFM (136 kbps) und Energy (72 kbps) bemerkt man bereits auf einer Billig-Anlage aus dem MediaMarkt. Egal, wie der Optimod programmiert ist.

Mich würde mal sehr interessieren, ob sich ein HD-Sender letztlich nicht doch besser vermarkten ließe. Allein die Tatsache, sich on-air als "High Definition"-Radio verkaufen zu können, wäre doch schon ein USP. Vom Fernsehen kennt jeder "HD". Warum nicht auch im Radio?
 
Mich würde mal sehr interessieren, ob sich ein HD-Sender letztlich nicht doch besser vermarkten ließe.
Fraglich ist, wie "HD" definiert ist, HD Radio wie in den USA?
Oder HD einfach nur als Siegel für gute qualität (z.b. 192 kbps LC-AAC und wenig verdichtung)?
Um viele Sender in dieser Größenordnung zu betreiben, bräuchte man wahrscheinlich noch gleich einen 3ten Bundesmux dazu :D
 

Fan Gab Radio

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Der Hifi-Hörer ist nicht das Maß der Dinge.
Sollte er aber sein. Bei aufwendigen Produktionen wird doch auch nicht an der Qualität gespart, selbst wenn es ein Ottonormalverbraucher nicht hören würde. Da gilt absolute Reinheit als Gebot, egal ob da jemandem was auffällt oder nicht. Sollte eigentlich auch vom Ausspielweg zu erwarten sein. Satellit schafft es ja auch.
 
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Sollte er aber sein.
Das sagt ja der Richtige, letztens noch die AAC-Artefakte von 72 kbps Sendern herruntergespielt, und jetzt aufeinmal der HiFi-Genießer? :eek:

So, Spaß beiseite!
Im neuen Bundesmux wird es wahrscheinlich, nicht anders aussehen wie im alten, vielleicht werden ein Paar größere Anbieter sich durchsetzen, und vllt. noch auf 105 - 112 kbps kommen, eine HiFi-Revolution wird es durch den neuen Mux auch nicht geben, vielleicht erwartet uns dann allerdings etwas mehr Vielfalt im Deutschen Radiomarkt :)
 

iro

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Fan Gab Radio

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Das kannst du doch nicht ernst nehmen was sunshine live da veranstaltet hat. Das ist nicht andersesbals ein richtig schlechter Klangverbieger. Mir ist kein anderer deutscher (bzw seriöser) Sender bekannt der das nutzt und so vermarktet hat. Mit HD hat das wenig zu tun. Hoffentlich kommen sie nicht auch noch auf den Gedanken, mit einem "3D Sound" zu werben und das entsprechend noch mieser dann einzustellen. Leider kann man nicht in den "Genuss" kommen diesen Klang abseits von DAB + zu hören, da er exklusiv nur dort verwendet wird. Internet und Satellit sind nochmal minimal anders prozessiert.
 
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iro

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Tatanael

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https://national-german-radio.com/2...form-startet-mit-attraktivem-programmangebot/
Antenne Deutschland hat die Belegung von bereits 14 der 16 möglichen Programmplätze auf der privaten nationalen DAB+ Plattform entschieden!

Rund vier Jahrzehnte nach dem Privatradiostart mit lokalen und regionalen UKW-Sendern wird es ab Anfang Oktober 2020 nun endlich auch in Deutschland ein relevantes Angebot an nationalen, terrestrisch verbreiteten Radioprogrammen geben – und dies vom Start weg über die zukunftssichere Digitaltechnologie DAB+. Die Plattformbetreiberin Antenne Deutschland hat ihre wesentlichen Entscheidungen für die Belegung der insgesamt 16 Programmplätze auf der ersten und einzigen privaten nationalen DAB+ Plattform (sogenannter 2. DAB+ Bundesmux) getroffen.

Demnach werden von Drittanbietern folgende acht Radioprogramme auf der Plattform vertreten sein, die zur Hälfte neu*, zur anderen Hälfte bereits markterprobt sind:


  • Antenne Bayern – Deutschlands meistgehörtes Privatradio
  • Drivers Classic von WIM*
  • Ein zweites Programmformat der ENERGY Group in Deutschland*
  • JOKE FM – Comedy und Hits
  • PROFI Radio – Das innovative Spartenprogramm für Hand- und Heimwerker*
  • RTL Radio – Deutschlands Hit-Radio
  • ROCK ANTENNE – Der beste Rock nonstop für Deutschland
  • TOGGO Radio – Das neue Kinder- und Familienradio von SUPER RTL*
Antenne Deutschland selbst wird sechs Eigenprogramme auf der Plattform ausstrahlen. Zur Belegung der letzten zwei der insgesamt 16 möglichen Programmplätze stehen wir in konkreten Gesprächen mit namhaften Bewerbern. Ziel ist es hierbei, die Vielfalt und Schlagkraft des Programmbouquets zu optimieren.
 
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Radiokult

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Erstaunlich das man bei RTL nun plötzlich doch sehr bewußt auf DAB+ setzt. Und da Rockantenne in den Bundesmuxx wechselt, dürfte in den Lokalmuxen in Hessen, Berlin/Brandenburg und BaWü für andere ein Platz frei werden.
 

Mäuseturm

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Interessante Auswahl, Drivers Classic hört sich nicht uninteressant an, ich würde mich freuen, wenn es ähnlich wäre wie seinerzeit Truck Radio. Und auf das Energy Programm bin ich auch schon gespannt. Und RTL hat nun seine Anti-DAB Haltung auch aufgegeben, war aber irgendwie zu erwarten. Und 6 Absolut Programme, ich bin zuversichtlich, dass der Bundesmux 2 sehr abwechslungsreich wird. Wie gut, dass ich seit 6 Wochen endlich DAB+ in meinem (neuen) Auto habe 🙂
 

Funker

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Erstaunlich das man bei RTL nun plötzlich doch sehr bewußt auf DAB+ setzt.
In der Tat. Zumal bei RTL Radio in letzter Zeit massiv Werbung für die hauseigene Streamingplattform AudioNow gemacht wird.
Insoweit dient die Aufschaltung im BuMux 2 wohl auch der Crosspromotion - genau wie bei TOGGO Radio, welches als "Appetizer" für das Portal toggo.de dient.
 
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